Meine Meinung…
Mai 18th, 2010 by Joannis
Ich bin ja schon an Vieles gewöhnt… in der Gastronomie muß man sich ja so Einiges anhören - man muß das sprichwörtliche “Dicke Fell” haben. Aber so einen rasanten Verfall der demokratischen Kultur, der Verantwortung, der Kenntnis und Wahrnehmung ökonomischer Zusammenhänge hätte ich nun doch nicht erwartet. Und so langsam ist für mich ein Punkt erreicht, an dem ich nicht mehr stillhalten kann. Da betitelt doch ein prominenter Fernsehkoch alle griechischen Restaurants als “No Go Area”, Gäste wünschen, daß doch mal der Anthony Quinn aus der Küche kommen möge, oder noch besser: “Zum Griechen trage ich kein Geld. Der schickt es doch nur in seine Heimat!”
Vor ca. 50 Jahren kamen die ersten Griechen nach Deutschland. In einer Zeit, wo die Ursachen für Flucht und Migration für viele unserer Mitmenschen nicht nur nicht aufgehoben wurden, sondern sich sogar intensiviert hatten. In einer Zeit des Neoliberalismus, der Fremdenfeindlichkeit und Gettoisierung ist es besonders notwendig für Solidarität zu werben. Ich habe den größten Respekt vor meinen Landleuten, ihren Vätern und Großvätern, die voller Unsicherheit und unter den größten Entbehrungen von ihrem Vaterland aufgebrochen sind, um mit Anstand und harter Arbeit eine besseres Leben zu suchen. Ich meine sogar, daß die Auslands-Griechen Griechenland mehr respektieren als diejenigen, die ständig in ihrer Heimat leben. Die Finanzkrise ist doch etwas, das wir uns jahrelang weggewünscht haben und das jetzt leider eingetreten ist. Was aber nun zählt ist, daß wir einen klaren Kopf und unsere Würde bewahren und uns stets bewusst sind, daß die Verschuldung weder eine Frage des Nationalstolzes noch eine nationale Schande ist. Wir sollten den Populismus beiseite lassen und unsere Selbstachtung retten. Wenn sich alle (Europäer) am Riemen reißen, werden wir es schaffen. Ich glaube, alle sollten nicht vergessen, daß die Niederlage eines Landes auch gleichzeitig ihre eigene ist. Ich behaupte nicht, daß Griechenland keine Fehler gemacht hat. Aber wenn die Finanzinstitute Griechenland zu ihrem eigenen Nutzen Geld geben und dies dann von den europäischen Spitzenpolitikern als Argument gebraucht wird, das ist zuviel des Neoliberalismus. Die Mechanismen die heute Griechenland zu Verfügung gestellt werden, werden morgen womöglich von einem anderen Land benötigt. Es war doch erkennbar, daß die Wetbewerbsfähigkeit der einzelnen Euro-Länder auseinander driftet. Die Konsequenz für die jetzige Situation ist, daß man von Griechenland verlangen kann, seine Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern. Aber auch die Überschußländer müssen sich bewegen. Sie müssen ihre Löhne nach oben anpassen, damit die Lohnkostenentwicklung nicht weiter auseinander geht. Das ist ein mittelfristig zu bewältigender Prozess. Er ist aber in einem gemeinsamen Währungsraum notwendig, weil es eine Anpassung über die Wechselkurse nicht gibt. Sowohl bei der Europäischen Zentralbank als auch bei der Bundesregierung gibt es noch keine Anzeichen für die Einsicht in diese selbstverständliche Notwendigkeit. Wer profitiert denn von der Krise? Alle, die für ihre Geldanlagen höhere Zinsen erreichen, wenn sie sich voraussichtlich risikolos in griechischen Papieren engagieren. Alle, die von der Flucht in Sachwerte und Edelmetalle profitieren. Alle, die an Finanztransaktionen verdienen - das sind die Investmentbanker und Banken. Und schlußendlich: Alle, die an weiteren Privatisierungen verdienen. Denn darauf wird es in vielen der betroffenen Länder hinauslaufen. Griechenland kann seine Schulden nur bezahlen, wenn dort ausreichend Wertschöpfung stattfindet. Alle anderen Länder und auch die Überschußländer können nur florieren, wenn gemeinsam versucht wird, eine Aufwärtsbewegung zu erreichen. Für die deutsche Politik, die die Finanzmisere miserabel gemanagt hat und uns hier mit massiven Lasten eines Rettungsschirms über mindestens 750 Millarden belastet, hat die Griechenland-Krise den großen Vorteil, daß niemand mehr vom Veragen der deutschen Politik redet. Entweder die Euro-Staaten ergänzen ihre gemeinsame Währung um große Überweisungen zwischen starken und schwachen Regionen. Oder das Projekt EURO wird scheitern, wie viele Währungsunionen zuvor in der Geschichte. Entweder Europa begegnet den aktuellen Herausforderungen mit institutionellen Innovationen. Oder die Märkte werden die Währungsunion sprengen.






