Wein und Zeit.
Aug 23rd, 2007 by Joannis
Viele Menschen schreiben über Wein. Zumindest meinen sie etwas davon zu verstehen und beglücken die Menschheit mit ihrem Fachwissen. Einige davon halten sich gar für Wein-Propheten, die genau wissen, wann ein Wein sich auf dem Höhepunkt befindet oder wann er Abschied nimmt. Mit dem Aufstieg des Weines zum Trendgetränk und manchmal gar zum Statussymbol mehrte sich auch die Spezies der Weinjournalisten. Sie schreiben über den x-ten Jahrgang eines Châteaus, über die Schnäppchen im Supermarkt von nebenan - ab heute gibt es einen Dornfelder für 99 Cent bei Edeka -, warum wir jetzt genau von diesem und keinem anderen Winzer kaufen sollten und so weiter und so fort…
Vor einigen Tagen habe ich ein druckfrisches Exemplar von Mario Scheuermanns neuem Buch “Wein und Zeit” zugesandt bekommen. Es erscheint Anfang September und unterscheidet sich wohltuend vom großen Rest der Weinliteratur. Scheuermann gehört zu den bedeutendsten Weinjournalisten Europas und betreibt auch einige Portale im weltweiten Computer-Netz. Scheuermann plädiert für einen ungezwungenen Umgang mit dem Thema Wein und stellt fest, daß Wein nie isoliert betrachtet werden sollte, sondern im Kontext zur Umwelt und seinen Epigonen steht. Schön, daß es in mehrere, eigenständige Kapitel aufgeteilt wurde und auch der Anhang ist informativer als in vergleichbarer Literatur. Wenn der Autor über Passion, Zukunft oder die Semantik des Weins philosophiert könnte man fast meinen, an ihm sei ein Poet verloren gegangen. Das Buch richtet sich in erster Linie an Genußmenschen, oder auch an diejenigen, die auf dem Wege dazu sind. Nicht an festgefahrene Etikettentrinker. Es ist ein Plädoyer für den Wein im besten Sinne! Ich jedenfalls, habe das Buch in einem Zug durchgelesen.
Eine kurze Bemerkung zum Schluß : Warum man 125 Jahrgänge eines Weines am selben Tag verkosten sollte entzieht sich meiner Kenntnis. Das habe ich noch nie verstanden…






