Ausgediente Tresore - Kolosse aus Metall
Jan 18th, 2008 by Joannis
Unser Schwabenland ist die Heimat der Tüftler und der Erfinder. Die jährlich erscheinenden Patentübersichten beweisen wo die Zentren der Innovation sind und wo die Genies sitzen. Siemens, Bosch, Röntgen, Zuse, Herz, Lilienthal, Koch - die Vaterfiguren deutscher Industriegeschichte, haben als Erfinder und Forscher angefangen. Auch Albert Einstein, weithin als kopflastiger Theoretiker bewundert, hat sich in jungen Jahren an einer höchst praktischen Erfindung versucht, einem verbesserten Kühlschrank. Und die wohl berühmteste Erfindung aus dem Ländle ist das Automobil. Zufällig bin ich auf ein Unternehmen aus Sindelfingen gestoßen: die DÖTTLING GMBH - der Familienbetrieb erweckt antike Stahlschränke aus Metall zu neuem Leben. Juniorchef Markus Dötting hatte 1999 die Idee, betagte Safes zu restaurieren und in funktionelle Gebrauchsmöbel umzuwandeln. Doch was verbirgt sich hinter den Türen aus zentimeterdickem Stahl? Die meisten Tresore die die Firma erwirbt, sind außen in schlechtem Zustand und die Originalfarbe wurde oft überlackiert. Und wenn dann noch der Schlüssel verloren ging, ja dann wartet auf den Metallbaumeister ein hartes Stück Arbeit. Denn im Gegensatz zu neuen Tresoren, wo die Schließmechanismen genormt sind, wurde in früheren Jahren jedes Schloß einzeln per Hand angefertigt. Wenn sich dann die Türen öffnen, offenbart sich oft ein jungfräuliches Innenleben. Lack, Vergoldung und das Firmensignet des frühreren Besitzers haben oft mehr als hundert Jahre gut überstanden. Man staunt über das Riegelwerk und bewundert die edle Holzvertäfelung - bevor man entäuscht bemerkt: Das vermeintliche Holz ist ein “Trompe-L’oeil”. Heute beherrschen nur wenige diese ausgefallene Mechnik der Malerei.
Der Clou ist aber, und das für mich in erster Linie interessante : Markus Dötting baut seine Tresore auch zu Humidoren um. Für den Innenausbau werden Tischler und Sattler beschäftigt, die das Innenleben neu ausstatten. Inklusive computergesteuerten Klimasystemen. Inzwischen spielt das Restaurieren in dem Familienbetrieb eine tragende Rolle. Hauptabnehmer sind - wer hätte es gedacht - die Schweiz und die USA. Und : Keine Frage, die Homepage gibt es auch auf russisch. Der Schönheit und dem Glanz solch antiker, restaurierter Geldschränke kann man sich wohl nicht erwehren, und wenn man das Spezielle suchen sollte…und wenn man das nötige Kleingeld besitzt…ab 90000 Euro.






Das ist aber eine tolle Idee, denn die alten Tresore besitzen eine gewisse Schönheit. Das Preiskonzept sollte allerdings überarbeitet werden.