Karl und Rudi Obauer, Werfen (Flachau 4)
Mrz 16th, 2009 by Joannis
Jeder hat es schon erlebt…der Urlaub vergeht wie im Flug und eigentlich würde man gerne noch einige Tage “dranhängen”…aber, die Arbeit ruft und Konstantin muss ja wieder in die Schule… also Koffer packen, Ski abgeben, den Wagen startklar machen…aber halt: Zum Abschluß der Skiwoche fuhren wir am Freitag Abend ganz entspannt nach WERFEN. Werfen ist eine halbe Autobahnstunde von Salzburg und knappe zwei Stunden von München entfernt. Der Hochkönig, Gipfelhöhe 2.941 Meter, thront hoch über dem Dorf. Gegenüber ragt die mächtige Wand des Tennengebirges empor. Das Tal ist eng und Werfen liegt mit seinen ca. 3000 Einwohnern auf 500 Meter HH.
Die Brüder OBAUER haben hier in nunmehr 30 Jahren eine der besten Küchen Österreichs etabliert, ja ich möchte meinen, Europas ! Hier empfängt Sie ein Dorfgasthaus im besten Sinne. Abseits jeglicher Moden und Trends bekommt man hier eine aufregende Küche geboten. Obauer-Küche eben. Auf das Wesentliche reduziert, mit einer Geschmackstiefe die ihresgleichen sucht. Und mit ihrem Bezug zu den regionalen Wurzeln erfüllt sie alle Kriterien einer modernen Küche. Nachdem über das ganze Jahr viele “Auswärtige” einkehren, gibt es einige bodenständige Noten in den Speisen. Die “Einheimischen” wollen gerne internationale Küche. Somit sprengt die Speisenkarte fast alle Normen ähnlich hochklassiger Restaurants und überrascht auch mit einem vielfältigen Angebot. In Zeiten von reduzierten Menuangeboten erscheint einem diese immense Auswahl als ein Relikt der französischen Hochküche…Auch wir sind jedesmal überwältigt, aus welchem Ideenfundus Karl und Rudi Obauer sich bedienen können. Jeder Gast wird von einem der beiden Brüder immer persönlich begrüßt. Der andere steht dann in der Küche…Und obwohl wir schon 7 Jahre nicht mehr dort waren, erinnerte sich Karl Obauer noch an uns…ich hoffe mal: positiv. Zur Einstimmung gibt es eigentlich immer einen Schilcher Frizzante aus der Steiermark…diesmal entschieden wir uns aber für ein Glas Bründlmayer-Sekt. Was soll man nur wählen ? Die Jakobsmuschel mit Kalbskopf und Paprikapolenta ? Oder Blutwursttascherl mit Gerstelkraut und Sauhax’l ? Gut liest sich auch Taube “Arabisch” mit Ronasalat und Safran-Apfelmus oder ihr Klassiker: Forellenstrudel mit Veltlinersauce und Champignonpüree ! Nachdem wir auch diesmal wieder eine Rückfahrt noch vor uns hatten, entschieden wir uns für einige Gänge à la carte…
1. Schwarzbeerrisotto mit Butterkäse und Kalbsbries und Geräucherte Kalbsleber mit Forcherspeck, Panzlbrot und Safranapfel.
2. Werfener Lamm mit Sauerrahmrettich und Käsespätzle und Hirschrücken mit Gebirgswermutsauce, Vogelbeeren und Sellerie.
3. Warmer Steinkleetopfen mit Paprikamark, Radicchio und Orangeningwer.
4. Mohndatteln mit Lakritzenschokolade und Chicoreéwurzeneis und Nachspeisenvariation.
Konstantin wählte Fritattensuppe (logo!), Kalbsfilet mit Gemüsen und Nudeln, Schokoladendessert. Schon die Leckereien zur Einstimmung waren eine Schau: Gegrillter Hühnchenflügel mit Sesam und Soya, Forellen-Sushi, Lammsalami, Apfelchips, Presskopfsülze oder “Kokosfleisch”… es folgen noch jeweils ein Amuse Bouche und dann ein Feuerwerk an Aromen … und alles so leicht und luftig, daß man sich am Ende des Abends wie losgelöst fühlte. Herausragend: Die schmelzige Kalbsleber und ein grandioser Safran-Grießauflauf mit Traminer…Himmlisch! Jahrelang gehörten die Obauers zu jener Handvoll Spitzenrestaurants in Österreich, die mit einem zweiten Michelin-Stern ausgezeichnet waren. Der kam 2007 auf rätselhafte Weise abhanden. Das schmerzt mich. Denn hier ist alles, auch der sehr herzliche Service und superbe Sommelier auf 2-Sterne-Niveau. Aber die Obauers reagieren mit Gelassenheit. Es bleibt ja noch die Höchstbewertung des für Österreich wichtigeren Gault-Millau. Nichts deutet darauf hin, daß die Gourmets künftig einen Bogen um Werfen machen werden. Für die wahren Kenner, jenseits von Schick-Micki und nivellierten Restaurants, ist ihr Konzept aus Regionalem und Internationalem, Klassik und überbordender Herzlichkeit einfach zu verführerisch…
Wieder mal erstaunlich, wie die Obauers auch mit den Preisen auf dem Boden geblieben sind : so gibt es z.B. ein 3-Gang-Mittagsmenu zu 35 Euro…natürlich mit allen “Extras” und Patisserie - natürlich hausgemacht ! Was haben wir getrunken ? Einen wunderbaren, komplexen 2004er PINOT NOIR von IGLER mit schlanker Frucht.
Ja was ist denn nun das Geheimnis der Obauers? Sie sind keine Alchimisten, keine Schaumschläger. Sie beherrschen aber perfekt ihr Handwerk und erfreuen sich einfach an ihrer Arbeit. Jeden Tag aufs Neue.
Karl und Rudolf Obauer, Restaurant und Hotel, A-5450 Werfen, Tel. 06468-5212,
Ruhetage variabel, www.obauer.com. Vorspeisen 12-45€, Hauptgerichte 24-45€. Dessert 14-16€. Menu 6-Gänge 95€. Menu 4-Gänge 65€.










Das klingt ausgesprochen verlockend! Leider komme ich in nächster Zeit wohl nicht in die Gegend - dafür sollte ich dann aber wenigstens wieder mal das Obauer-Kochbuch zur Hand nehmen: von der Blaukrautsauce zum Huchen war ich ja schon sehr angetan
http://peho.typepad.com/chili_und_ciabatta/2008/11/huchen-mit-mariniertem-blaukraut-und-blaukrautsauce.html