Öfters mal ne Pause… ( Griechenland 5)
Jul 12th, 2009 by Joannis
In einigen deutschen Bundesländern haben die Sommerferien begonnen. Dies führte an den letzten beiden Tagen zu ellenlangen Staus, z.B. auch am Gotthard, wo sich die Blech-Karawane auf bis zu 10 km staute. Daraus resultierten Wartezeiten von bis 3 Stunden… Zusätzlich verschärfend wirken sich auch Unfälle auf den Alternativrouten aus, so daß man sich doch einmal grundsätzlich überlegen sollte, ob man genügend Zeit für die Hin- und Rückreise eingeplant hat und vielleicht auch mal einen Zwischenstop einlegen sollte. Wir machen dies eigentlich immer. So auch auf der Rückreise von Griechenland. Diesesmal hatten wir einen Abstecher nach KIRCHBERG in Tirol vorgesehen. Schon länger interessierte uns die Küche des jungen SIMON TAXACHER, Küchenchef des Restaurants ROSENGARTEN im elterlichen Hotel Taxacherhof. Nach der Fahrt über den BRENNER fährt man kurz vor Kufstein bei Wörgl von der Autobahn und folgt
der Bundesstrasse Lofer ins Brixental. Simon Taxacher war zu diesem Zeitpunkt Anwärter für den 2. Michelinstern. Mittlerweile hat er ihn ! Empfangen wurden wir sehr freundlich und zu einem geräumigen Zimmer geleitet. Nachdem ausufernde Speisefolgen meistens auch längere Wartezeiten nach sich ziehen, waren wir an einem Freitag Abend frühzeitig im Restaurant. Das Restaurant befindet sich in einem verglasten Anbau des Hauses. Ein schöner Mix aus durchgestyltem modernen Restaurantdesign und Anleihen an die Region, z.B. der sehr schöne rustikale Holzboden. Witzig sind auch die Flatscreens auf den Fluren. Da flimmern Live-Bilder aus der wuseligen Küche über den Bildschirm. Zum Essen: Ich würde sagen, ideenreich, vielleicht etwas verspielt, aber handwerklich perfekt. Der Gault Millau bewertet diese Küche mit 17 Punkten. Meiner Meinung hätte sie einen Punkt mehr verdient. Wir hielten uns an das Degustationsmenu. Mit 5 Gängen zu 81 Euro mehr als fair kalkuliert. Vorspeisen übersteigen nicht die 30 Euro und die Hauptgerichte schwanken zwischen 33 und 37 Euro. Wo gibt’s das noch bei 2 Michelinsternen ? Zumal man das “Drumherum” einbeziehen muss… ein wahres Feuerwerk der Aromen: Zum Auftakt verschieden Aufstriche, Salze und luftgetrockneten Schinken, zum Amuse Bouche wurde eine Variation von Sardinen gereicht. Sehr gut. Weiter gings mit “Steinpilz geliert und mariniert, dazu Wildhasentee”. Danach “Jakobsmuscheln mit Granny Smith und Austernravioli”. Als dritten Gang “Wolfsbarsch mit provencalischer Tomatenvinaigrette und lauwarmem Olivenkaramel“. Ich ersetzte diesen Gang mit “Mascarpone-Birnenravioli mit Trüffel, geschmortem Chicoree und Curry”. Umbestellungen waren ohne Probleme möglich. Ein sensationelles vegetarisches Zwischengericht mit genau der richtig dosierten Mischung aus Schärfe und Süße und explodierendem Trüffelaroma. Weltklasse ! Als Hauptgericht wurde ein schlicht annonciertes Gericht namens “Gratiniertes Rehfilet mit Kürbiscannelloni” serviert. Auch hier: Perfektes Handwerk, gute Garzeiten und stimmige Proportionen. Überhaupt waren die Gänge nicht zu mächtig. Im Gegenteil: Zuerst meint man “Da ist aber nicht viel auf dem Teller.” Aber spätesten mit dem Dessert spürt man eine angenehme, unbelastete “Sättigung”… zum Abschluß: “Knusperschnitte vom Mokka, Mango-Trüffeljus und karamelisierte Haselnüsse”. Die vielen vielfältigen Petitsfours kann ich schon gar nicht mehr aufzählen… Auch hier hält die Küche das hohe Niveau. Schade nur, daß das Restaurant nur spärlich besucht war. Außer uns Dreien waren gerade mal noch 4 Gäste anwesend. Und das an einem Freitag Abend! Beeindruckend war für mich auch der sehr kompetente und freundliche Sommelier Roland Wallner. Nachdem wir ja auch im Hause nächtigten, konnten wir auch dem Rebensaft zusprechen. Er empfahl uns stimmige österreichische Bouteillen. Zu meinem Erstaunen war er am frühen Morgen zum Frühstück auch schon wieder präsent. Er hatte seinen formellen Anzug abgelegt und servierte Busreisenden mit riesigen Tabletts das rustikale Frühstück. Macht auch nicht jeder… Insgesamt ein wunderbarer Aufenthalt. Ich kann jedem einen Abstecher oder auch längeren Aufenthalt in diesem Haus nur empfehlen. So ist es von hier auch nur noch ein Katzensprung nach KITZBÜHEL. Und wem die bisherigen Zimmer (3 Sterne Kategorie) nicht genügen, dem kann in absehbarer Zeit auch geholfen werden: Familie Taxacher plant den Anbau neuer Hotelzimmer. Diese werden allen erdenklichen Luxus der 5-Sterne Kategorie bieten.







Vielen Dank für Ihre super Kritik, und hoffentlich auf ein baldiges Wiedersehen im Rosengarten in Kirchberg/Tirol.
Simon Taxacher & das gesamte Team